 |  |  Autor David Kadel |
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Seit 1988 als Komiker auf deutschen Bühnen unterwegs. Regisseur des Roadmovies
"Fußball Gott - Das Tor zum Himmel" (auf DVD).
Der gebürtige Perser ist als Journalist und TV-Moderator freischaffend tätig und
entwickelt mit seiner Frau Lydia Network-Projekte in den Medien.
Er liebt seine LoveLy, den Humor der Marx Brothers, den Kick der Dänischen Nationalelf und
macht leidenschaftlich gern Musik.
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"Das Wunder von Bern" - Gott ist Fußballfan?
Für einen Moment hatte ich das Gefühl, als ob die Schwerkraft aufgehoben sei. In Superzeitlupe fliegt der Ball Richtung ungarisches Tor, "Rahn schießt..." bete ich die längst bekannten Zeilen innerlich mit - und obwohl ich doch genau weiß was passieren wird, drehe ich mich krampfhaft in meinen Kinositz, um den Ball für die restlichen Meter ins Tor zu drücken. Dann der ersehnte Schlußpfiff. Bei den Jubelszenen im Regen habe auch ich größte Mühe gegen ein Freudentränchen anzukämpfen. Emotionen wie sie nur der Fußball schaffen kann, ein echtes Fußball-Wunder für 8 Euro, in Reihe 14.
In der brillanten Verfilmung vom "Wunder von Bern", erzählt Sönke Wortmann eine typisch deutsche Nachkriegs-Geschichte aus dem Kohlenpott. Eine Essener Familie kämpft ums Überleben, während sie auf die Rückkehr des Vaters aus russischer Kriegsgefangenschaft hofft. Mit sehr authentischen Schauspielern gelingt es Wortmann, der früher selbst Fußballer war, die Werte der damaligen Zeit mit der Erfolgsformel des Herberger Teams zu verbinden. Zusammenhalt, Disziplin und Freundschaft stehen für die Zeit des deutschen Wiederaufbaus.
Das geniale Casting der Darsteller spielt dabei für die Authentizität des Films eine große Rolle: Der strenge Vater, der aus dem Krieg nach Hause zurück kommt, spricht den perfekten Essener Slang, sein Sohn, der größte Fan von Helmut Rahn, mimt bilderbuchartig den Nachkriegs-Bengel (und müßte eigentlich eine Nominierung für die beste Nebenrolle bekommen) und vor allem die kickenden Laiendarsteller rund um den pfälzischen Haar-Gel-Fritz beweisen mal wieder, daß Fußballer nicht nur im Strafraum echte Schauspieler sein können. Leidenschaftliche Kicker, die in 90 Minuten zu Helden einer ganzen Nation werden. "Toni, du bist ein Fußball-Gott" entfährt es dem euphorisierten Reporter bei einer Rettungstat des Torhüters Turek. "An den Wundern erkennt man die Heiligen", behauptet ja ein französisches Sprichwort.
Und so haben die Davids aus Essen, Hamburg und Kaiserslautern den ungarischen Riesen Goliath am 4.Juli 1954 tatsächlich in die Knie gezwungen. So besagt es das Fußball-Wunder. Wenn nun aber Gott für Wunder aller Art zuständig ist, hatte er hier also seine Hand im Spiel, um nach dem aussichtslosen 0:2 gegen übermächtige Ungarn, Deutschland doch noch mit 3:2 siegen zu lassen? Ungarischer Spielwitz gegen deutsche Leidenschaft, oder Steinschleuder gegen schwere Rüstung. So wie im alttestamentlichen Zweikampf der ungleichen Gegner, als Gott heimlich eingriff. Damals war David Gottes verlängerter Arm, als es darum ging, seine eigenen Interessen zu wahren und sein Volk Israel zu beschützen. Also traf die Steinschleuder den gotteslästernden Riesen genau in den Winkel. Ohne Zweifel, kein Glückstreffer! Oder doch?
Und exakt in dieser Frage liegt der Schlüssel zu den Geheimnissen aller Fußballwunder verborgen: Verfolgt Gott auch im scheinbar banalen Fußballgeschäft gewisse Vorlieben, oder war er es persönlich, der einst den neutralsten aller Sportlermerksätze stiftete: "Der Bessere soll gewinnen"? Um bei den Weisheiten zu bleiben, lernen wir ja bekanntlich am meisten von den Demütigen. (Bei Gott haben Wunder eine bestimmte Zeit...1.Petrus 5,6) So auch der große Herberger der sein weltberühmtes "Der Ball ist rund" einer alten Schweizer Putzfrau zu verdanken hat. Genial frech diese These, lieber Herr Wortmann, wie überhaupt der ganze Film.
Lediglich die Darstellung des "WUNDERS" von Bern kann Sönke Wortmann mit seinem Jahrhundert-Streifen nicht authentisch und schlüssig darstellen - aber dafür war ja auch Gott zuständig, oder etwa nicht?
Euer David Kadel
Nachspielzeit: Das eigentliche "WUNDER" des Films ist, wie sich der verbitterte, eklig-strenge Vater verändert und plötzlich zum Menschen wird ... deutsche Jungen dürfen ruhig mal weinen!
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