Autor
David Kadel
Seit 1988 als Komiker auf deutschen Bühnen unterwegs. Regisseur des Roadmovies "Fußball Gott - Das Tor zum Himmel" (auf DVD). Der gebürtige Perser ist als Journalist und TV-Moderator freischaffend tätig und entwickelt mit seiner Frau Lydia Network-Projekte in den Medien. Er liebt seine LoveLy, den Humor der Marx Brothers, den Kick der Dänischen Nationalelf und macht leidenschaftlich gern Musik.

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David's Abseits-Falle


Fußball ist nur Unterhaltung ??

"Fußball" soll ja bekanntlich die "schönste Nebensache der Welt" sein - wobei das manche eher anders sehen und diesbezüglich mit "Sex" abstimmen. Wie auch immer, dem Fußball sagt man nach, daß er Völkerverbindend sein soll und, daß er es wie kein Anderer versteht Emotionen hervorzurufen. Nicht erst seit der "göttlichen" Playstation-Werbung gilt der Fußball für viele als Religion. Na gut, Superlative ohne Ende, aber was immer der Fußball auch ist, in diesen Tagen dreht er total durch! Zumindest die Macher und Schöpfer der "Marke Fußball" outen sich als humorlose Dünnhäuter.
Sie vergessen nicht nur, daß unser Lieblingssport in erster Linie Unterhaltung sein soll, und in zweiter Linie Unterhaltung und erst in dritter Linie einfach pure Unterhaltung und nichts Anderes, sondern sie nehmen sich und diesen ästhetischen Fußball krankhaft wichtig. Ottmar Hitzfelds Tränensäcke sehen zumindest nicht nach gesundem Leben aus. Ein Gesicht gezeichnet von Druck und Angst.
Die Bayern fliegen aus der Königsklasse und schon ist der Skandal perfekt: Ein Unglück, eine Tragödie, ein gefundenes Fressen - für die Medien.
Wahrscheinlich nur noch zu toppen durch ein Homo-Outing von Dieter Bohlen, oder Angie's Verhältnis zu Gerhard...
Fußball ist Unterhaltung: Und es war doch auch wirklich unterhaltend das 3:3 im letzten Champions League Spiel gegen Lens. Und auch die 34 Zuschauer im Olympiastadion konnten sich endlich einmal in aller Ruhe unterhalten.
Aber kann man denn heutzutage so ein sportliches Scheitern nicht einfach mit Humor und etwas mehr Lockerheit nehmen? Vor nicht allzulanger Zeit durften die Trainer noch schön locker kommentieren: "Jetzt können wir uns ganz und gar auf die Meisterschaft konzentrieren!" Heute würden sie dafür direkt gefeuert werden. Und nicht nur die Bild, sondern auch Süddeutsche, FAZ und Co. betreiben eine unmenschliche, völlig überzogene Hetze gegen Hitzfeld und die anderen "Verlierer" der Liga. Sein erster Fehler nach 5 erfolgreichen Bayern-Jahren und schon wird Ottmar ausgezählt. Wer hetzt denn bitte gegen die Schreiberlinge und Reporter, wenn sie einmal einen miesen Bericht abliefern?
Sie sitzen genüßlich im dicken Sessel und verdienen am Scheitern des Anderen - Aasgeier-Mentalität!
Aber die Bundesliga ist eben abhängig von den Medien. Wer die Kohle hat, hat auch die Macht. Das Geld für die Übertragungs-Rechte ist längst lebensnotwendig für den Erhalt eines übersteigerten Lebensstils. Man hat im Lauf der Jahre dafür seine Seele verkauft: Ob AOL Arena, Playmobilstadion oder Bay Arena der Fan wird sowieso nicht mehr gefragt - Tradition und Individualität ist out - es geht nur noch um die schnelle Mark (Euro klingt hier nicht).
Wie sehr würde ich mir wünschen, daß ein Trainer nach einer schweren Niederlage einmal den Mut hat zu sagen: "Ja, wir waren wirklich schlecht; aber erstens freue ich mich für unsere Gegner, weil sie wirklich einen super Fußball gespielt haben, zweitens ist die Irak-Krise wichtiger als unsere unrasierten Beine in kurzen Höschen und drittens sehe ich doch schon das Kicker-Poster vor Augen mit der Aufschrift "Bayern München Champions League Sieger 2004".
Und wenn das komplette Präsidium - ebenfalls mutig - mit einem grinsenden "stimmt genau" hinter dem Trainer stehen würde, ja dann, dann wären wir alle erlöst und der Fußball die schönste NEBENsache der Welt.

Euer David Kadel

P.S. Ich hab mit meiner A-Jugend einmal 9 Spiele (!) hintereinander verloren und unser Trainer wurde bis heute nicht gefeuert - komisch!


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