Autor
David Kadel
Seit 1988 als Komiker auf deutschen Bühnen unterwegs. Regisseur des Roadmovies "Fußball Gott - Das Tor zum Himmel" (auf DVD). Der gebürtige Perser ist als Journalist und TV-Moderator freischaffend tätig und entwickelt mit seiner Frau Lydia Network-Projekte in den Medien. Er liebt seine LoveLy, den Humor der Marx Brothers, den Kick der Dänischen Nationalelf und macht leidenschaftlich gern Musik.

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UNENTSCHIEDEN

Die Wahl ist ENTSCHIEDEN! Doch obwohl es deutliche Gewinner und Verlierer gibt, hatte ich zum ersten Mal bei einer Bundestagswahl das Gefühl, daß es auch ein klares UNENTSCHIEDEN gab. Beide Kanzlerkandidaten dürfen sich als Gewinner, aber auch als Verlierer sehen, beide haben gefeiert und die Korken knallen lassen, und beide werden in den nächsten Monaten mit dem Gefühl des Siegers in die nächsten "Partien" gehen - also ein eindeutiges UNENTSCHIEDEN.
UNENTSCHIEDEN wäre momentan für "Bayer Vizekusen" ein absolutes Traumergebnis. Egal was kommt, die ewigen Zweiten verlieren Spiel für Spiel, ob gegen Hannover oder gegen Piräus, alles wird vergeigt (auch wenn nach dem Sieg gegen Würger Olli Kahn ein leichter Aufwärstrend zu erkennen ist, sind sie noch weit entfernt von der Spitzenform des letzten Jahres).
Laut Reiner Calmund ist es momentan "das Tal der Tränen", das es zu durchlaufen gilt. Edle Erkenntnis. Ob sich Calli seine Inspiration heimlich aus Psalm 23 ..... "wandelte im finsteren Tale"..... holt, bleibt sein Geheimnis. Auf jeden Fall hat sich Leverkusen vor wenigen Monaten ganz klar für dieses Tal ENTSCHIEDEN, als sie Ballack und "unseren" Zé Roberto nach München verkauften. Schließlich wußten sie als Kenner der Szene doch, daß die beiden das Hirn und das Herz der Mannschaft bildeten, und was mit deren Verlust auf sie zukommen würde. Sehen wir's mal positiv: Finanzielle Aspekte sind doch Grund genug, schließlich ist die Bundesliga doch längst nicht mehr Sport allein, sondern auch ein gutes Geschäft. Also ENTSCHIEDEN für wirtschaftlichen Wachstum und sportliche Talfahrt. Warum nicht, man kann ja nicht immer Zweiter werden, und das meine ich durchaus respektvoll.
UNENTSCHIEDEN dagegen sind viele Menschen, die man heutzutage so trifft. Ob in der Wahlkabine, der H&M-Umkleidekabine oder der Halbzeitkabine überall muß man ständig Entscheidungen treffen. Als Wähler, als Käufer oder als Trainer. Natürlich auch als Spieler: Schieß ich den Elfer rechts unten, oder lieber in die Torwartecke? Oder einfach Augen zu und in die Mitte ballern?
Wer UNENTSCHIEDEN ist, kommt einfach nicht weiter - weder nach vorne noch nach hinten - pure Stagnation. ENTSCHIEDEN einfacher haben es die, die den Mut haben, loszugehen, entweder nach links oder nach rechts. Klar, man kann immer auch falsch abbiegen, aber wer nur auf der Stelle tritt, der wird nie ans Ziel kommen - und lernen kann man am allerbesten durch Fehler.
Wer sich ENTSCHIEDEN hat, der lebt leichter. Der übernimmt Verantwortung für sein Leben, aber auch für sein persönliches Umfeld. Genau wie Calli, dem im Tal der Bundesliga-Tränen bald noch nicht mal mehr ein UNENTSCHIEDEN reichen wird. Kopf hoch, Reiner, mit der Betonung auf hoch!

Euer David

P.S. Manchmal steht P.S. auch für PSALM: Nämlich der 32igste Vers 8 - ein Tipp für alle UNENTSCHIEDENEN.


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