Autor
David Kadel
Seit 1988 als Komiker auf deutschen Bühnen unterwegs. Regisseur des Roadmovies "Fußball Gott - Das Tor zum Himmel" (auf DVD). Der gebürtige Perser ist als Journalist und TV-Moderator freischaffend tätig und entwickelt mit seiner Frau Lydia Network-Projekte in den Medien. Er liebt seine LoveLy, den Humor der Marx Brothers, den Kick der Dänischen Nationalelf und macht leidenschaftlich gern Musik.

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Die Gunst der Stunde

Ja, ja der Gary Lineker hat’s ja schon immer gesagt: "22 Mann, ein Ball, und am Ende gewinnt immer Deutschland." Und jetzt brauch auch keiner kommen mit "Glück" und "Hilfe von oben" und solchen Ausreden. Sollen sie doch heulen, die Italiener, Spanier, Franzosen und Engländer. Von wegen Weltstars, die echten Weltstars, die jedes Kind weltweit kennt, sind Christoph Geschnetzelder und Miroslav Klosov. Im Gegensatz zu Figo, Raul, Beckham und Co reden die nicht immer vom Finale, sondern stehen schon fast mittendrin! Na gut, es gibt ja eine Fußballer-Phrase, die unser Spiel schon sehr treffend beschreibt: "Hinten haun wir die Dinger raus, und vorne hilft der liebe Gott," oder besser: "Hinten boxt der Olli alles weg, und vorne kriegt einer irgendwie den Ball gegen den Kopf geschossen."

"Zement anmischen"Aber was soll’s, wer genau hinschaut, der sieht, daß sich Rudi’s Elf nur an die Anweisungen hält: Nach all den Verletzten (Deisler, Nowotny und Scholl sind schon beinahe in Vergessenheit geraten) hieß es "Zement anmischen", und genau das funktioniert doch prächtig - die Null steht wie ’ne Eins. Olli, nur noch zwei Mal deinen Kasten sauber halten, und schwups, schon sind wir Weltmeister! Das war 1974 (Hölzenbein’s Schwalbe) und 1990 (knappes 1:0 durch Brehme’s Elfer) auch nicht anders.

Die Stärke der Deutschen ist es, daß sie eben die "Gunst der Stunde" nutzen können, während dagegen die Italiener, Engländer und Spanier davon sprechen, daß es das Schicksal nicht gut mit ihnen meinte. Ich glaube nicht an Schicksal und den ganzen fatalistischen Kram, ich denke, daß jeder sein Leben selbst in der Hand hat. Die "Gunst der Stunde" nutzen heißt zum Beispiel auch, die richtige Entscheidung zu treffen und im wichtigen Moment richtig abzubiegen. Im Fußball ist es da wie im Leben - wenn es darauf ankommt, mußt Du Dich sehr schnell entscheiden können - Timing ist alles, denn man hat nicht ewig Zeit.

Wann sehen wir die Elf hier?Die Deutschen werden gerade regelrecht zum Siegen eingeladen, und sie haben sich höflich dafür entschieden, diesen Spaziergang ins Endspiel anzunehmen - sollen die Kritiker doch schreiben was sie wollen, solange die Deutschen am Ende wieder auf dem Balkon des Frankfurter Römers stehen (mit Pokal selbstverständlich) haben sie doch alles richtig gemacht. Aber sie müssen diese überraschende Einladung jetzt auch durchziehen, denn so eine Chance (die Favoriten entschieden sich ja frühzeitig für den Traumurlaub am Strand) bekommt man nicht so schnell wieder. Wie im richtigen Leben: Hier bekommt man auch immer wieder Einladungen und muß sich entscheiden, ob sie zum richtigen Zeitpunkt kommen, und ob man sich darauf einläßt. "Rudi’s Truppe muß jetzt gegen Südkorea einen Offenbarungseid leisten," hat heute ein Sport-Reporter gefordert. Einen solchen Eid für unser Leben finden wir tatsächlich in Offenbarung 3, 20 + 21 - eine wichtige Einladung in der "Gunst der Stunde".

Euer David Kadel

Glückwuuunsch!P.S. "Türkye, Türkye" - einen riiiesen Glückwunsch an unsere "Dönerigen Mitbürger" - wir freuen uns mit Euch, weiter so, wir sehen uns im Endspiel !?

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