Autor
David Kadel
Seit 1988 als Komiker auf deutschen Bühnen unterwegs. Regisseur des Roadmovies "Fußball Gott - Das Tor zum Himmel" (auf DVD). Der gebürtige Perser ist als Journalist und TV-Moderator freischaffend tätig und entwickelt mit seiner Frau Lydia Network-Projekte in den Medien. Er liebt seine LoveLy, den Humor der Marx Brothers, den Kick der Dänischen Nationalelf und macht leidenschaftlich gern Musik.

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David's Abseits-Falle


Das Making-of eines göttlichen Fußballfilms - „Zwischen Mainz und Sao Paulo“!

Gerald Asamoah mit Mütze„Wer hätte gedacht, daß wir auf Weltreise gehen?“

Es ist ein kalter Märztag 2004. Während das fröstelnde Deutschland den Frühling herbeisehnt, sitzen mein Freund Christian Roth (Fotograf des Buches „Fußball Gott“) und ich im Starbucks und wärmen uns mit duftend-warmem Kaffee auf. Die Vorraussetzung schlechthin, um kreativ zu werden. Wir überlegen uns, mit Bleistift und genügend Papier ausgestattet, wie man es angehen müßte, einen richtig heißen Fußballstreifen zu drehen. Einen Film, der dieses verrückte Glitzer-Leben, das Fußballstars führen, einmal von einer ganz anderen Seite zeigen soll. Ehrlich und ungeschminkt. So stellen wir uns das zumindest vor, als wir an diesem Tag beginnen, das Drehbuch zu schreiben.

Wir wollen herausfinden, warum Fußballmillionäre, die ein traumhaftes Leben im Luxus führen, sich „Jesus“ aufs Unterhemd kritzeln. Warum erwachsene Prominente die meiste Zeit ihres Berufs wie Kinder herumtollen. Wir wollen Geschichten erfahren, die bisher noch nicht erzählt worden sind, die über das typische „Ja gut, ich wollte eben schon immer Fußballprofi werden“ hinausgehen.

Während sich Chodschi den zweiten Muffin reinpfeift, beäugt er mit vollem Mund etwas kritisch unsere Schmierzettel: „Klingt bisher ganz gut, die Frage ist nur, warum sollten gestandene Fußballprofis gerade uns naseweisen Underground-Filmern all diese göttlichen Geheimnisse offenbaren?“ Gute Frage! Wir rühren im Kaffee und überlegen weiter. „Hmmm, vielleicht weil wir einfach frech genug sind, an deren Haustüren zu klingeln und die verdutzten Stars mit dem Satz begrüßen: „Hallo Herr Asamoah, wir würden Sie gerne kaufen! Aber vorher würden wir gerne erst Einiges aus ihrem Leben erfahren!“
Klingt plausibel.

Der Flug nach BrasilienEinige Monate später scheint unsere Überrumpelungs-Taktik tatsächlich aufzugehen. Wir stehen leicht nervös vor der buntgestrichenen Haustüre eines waschechten brasilianischen Nationalspielers und drücken den Klingelknopf. Wie würde der Schalke-Star wohl reagieren?
Marcelo Bordon guckt zwar erst ein bißchen blöd aus der Wäsche, lädt uns dann aber tatsächlich nach Brasilien ein, um uns dort seine Heimat zu zeigen. Wow! Damit hätten wir nun wirklich nicht gerechnet, diesmal sind wir die Überrumpelten!

Aber das trifft sich ganz gut, denn laut Drehbuch wollten wir auch Zé Roberto und Cacau heimsuchen, und die leben bekanntlich alle drei in Sao Paulo. Taschen packen und auf geht’s zur Weltreise – 11.000 km nach Brasilien. Sao Paulo, eine unglaubliche Stadt, nein, ein 20 Millionen Moloch! Ribeirao Preto, das Kalifornien Brasiliens, traumhafte Strände, die leckersten Milkshakes der Welt und natürlich das Steak-Mekka aller Brasilianer, die Churascarias. Daß wir in 7 Tagen 7 Kilo zunehmen, soll hier nicht interessieren, es führt lediglich zurück zum Starbucks.


Marcelo Bordon spielt Saxophon



Nein, wir hätten im März beim fröstelnden Drehbuchschreiben nicht gedacht, daß wir bereits wenige Monate später im knackig heißen Sao Paulo mit Marcelo Bordon am Pool sitzen würden und er uns nicht nur seine Sixpacks präsentiert, sondern sich als überraschend guter Saxophonist erweist. Die Geschichte, die er uns dann über seine Engelbegegnung erzählt, ist für uns Pastorentöchter nicht minder aufregend.

Die FavelasStuttgart’s Publikumsliebling Cacau besuchen wir am nächsten Tag in Mogi das Cruzes, etwas außerhalb von Sao Paulo. „Kommt mit, ich zeige euch, wo meine Karriere bei „Joana D`Arc“ begonnen hat.“
Cacau am Steuer, seine Frau Tamara auf dem Beifahrersitz und wir filmend hinten drin, staunen über die schöne wüstenartige Idylle und halten es erst mal für einen Witz, als Cacau uns eine Art Kuhstall als Spielerkabine präsentiert. Tatsächlich hat dieser erfolgreiche Goalgetter des VfB Stuttgart noch vor 6 Jahren für einen Fußballclub gespielt, in dessen Kabine (kaltes Wasser, kein Licht) der FC Bayern nicht einmal seine Winterreifen lagern würde.

Zwei Tage später. Vom Luxus eines Fußballstars nun in die Armengebiete Sao Paulos.
Die Favelas, die Zé Roberto nur zu gut aus seiner Kindheit kennt, geben uns den Rest. Man zeigt uns einen alten Wasserturm mitten im Elendsviertel, auf den die Polizei nachts heimlich ungeliebte Streuner und Diebe schleppt, dort erschießt und einfach in einen stillgelegten Wasserschacht wirft. „Die Menschen hier brauchen Jesus viel nötiger als alles Andere,“ sagt uns Zé Roberto, dessen Jugendfreund auch erschossen wurde, weil er von den Drogen nicht loskam. Das Engagement, das die drei Brasilianer in ihrer Heimat leisten, um gerade Kindern zu helfen, ist bemerkenswert.

Marco Rose mit Dürers betenden Händen12 Monate lang waren Chodschi und ich unterwegs, um spannende Geschichten zu hören. Von Dirk Heinen und seinem kuriosen Türkei-Abenteuer, von Du-Ri Cha und seinem unglaublichen Heldenstatus, den er in Südkorea erfährt, vom Weltmeister Lucio, der sich auf die Revanche 2006 gegen seinen Bayern-Spezi Olli Kahn freut, und von Marco Rose, der sich aus Begeisterung für seinen neu entdeckten Glauben ein riesiges Tattoo mit Dürers betenden Händen auf seinen Arm stechen läßt.

Selbst Franz Beckenbauer, Rudi Assauer und Jürgen Klopp lassen es sich nicht nehmen, einen göttlichen Kommentar zu unserem besonderen Dreamteam beizutragen. Der Verrückteste von allen ist jedoch der pfeifende Zahnarzt Dr. Markus Merk, mit dem ungewöhnlichsten Bekenntnis eines Schiris, das ich jemals gesehen habe! Doch wir wollen hier ja nicht zu viel auf einmal verraten ...

Höchstens noch eines: Als Johannes B. Kerner vor einigen Wochen im ZDF Sportstudio bereits erste Ausschnitte unseres Films vorstellte, bat er Marcelo Bordon um eine Saxophon-Kostprobe und verriet dabei einem Millionenpublikum, daß die Filmmusik aus der Feder von „Beatbetrieb“ und „Allee der Kosmonauten“ stammt. Und jetzt bitte die Nationalhymne...



Marcelo Bordon und Allee der Kosmonauten bei Johannes B. Kerner im ZDF Sportstudio



Mit zweitausendundsechs weltmeisterlichen Grüßen!

David-Toni-Balloni-Kadel + Christian-Chodschi-Herr-Roth

P.S.:
Die DVD „Fußball Gott – Das Tor zum Himmel“ erscheint am 20.Juni 2005.
Mit schauspielenden Fußballstars, singenden Nationalspielern und predigenden Brasilianern. Hier auf der Homepage könnt Ihr Euch schon den sieben Minuten Trailer zum Film runterladen und anschauen.



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